Ist das SX-Digitalsystem besser als das Produkt eines Mitbewerbers?

Nachfolgend ein äusserst zutreffender Artikel von der WebSite von Doehler&Haass ((c)D&H)

Uns erreichten schon häufig Anfragen, in denen eine Bestätigung unsererseits ersucht wurde, ob denn das SX-Digitalsystem besser als ein Produkt eines Mitbewerbers sei, ob das SX-Gleissignal schneller/besser als DCC sei, ob man nur mit dem SX-Gleissignal eine PC-gesteuerte Modellbahnanlage betreiben könne usw.

Hintergrund sind oftmals erbittert geführte „Grabenkämpfe“ in diversen Internetforen, über deren Sinnhaftigkeit wir uns nur wundern können.

Wir können Ihnen nur ein paar neutrale Stichpunkte nennen, die keine Wertung für oder gegen ein bestimmtes Produkt beinhalten:

  • Unsere Decoder haben in jedem unterstützen Digitalformat identische Fahreigenschaften. Ein Modell, welches mit SX betrieben wird, fährt nicht besser als ein Modell, welches mit DCC betrieben wird.
  • Die meisten unserer Decoder werden heute mit dem DCC-Digitalformat betrieben. Digitalsysteme in Startpackungen enthalten keine Unterstützung des SX-Formates, die meisten am Markt erhältlichen Modelle besitzen zudem ebenfalls keine Unterstützung des SX-Formates.
  • Die Übertragungsrate pro Bit ist bei SX (50 µs) in der Tat schneller als bei DCC (116 µs/232 µs), dies hat für den Anwender jedoch keine praktische Bedeutung. Sofern ein Digitalsystem eine ordentliche Priorisierung der auszugebenden Pakete enthält, reagieren alle Modelle auf Datenänderungen quasi verzögerungsfrei.
  • Bei einer Kontaktstörung ist die Wartezeit, bis ein DCC-Modell wieder die letzten Fahrdaten erhalten hat, von einigen Faktoren abhängig: Einerseits spielt es eine Rolle, wie viele Adressen aufgerufen sind und andererseits spielt es eine Rolle, wie durchdacht der Refresh-Zyklus des Digitalsystems konzipiert ist. Sinnvollerweise werden Fahrstufe und Richtung mit einer höheren Priorität ausgegeben, als die Zusatzfunktionen.
  • Hierbei ergibt sich ein Vorteil für ein reines SX1-System (ohne Multiprotokoll): Kommt es zu einer Kontaktstörung am Gleis erhalten alle Modelle innerhalb von knapp 80 ms ihre Daten erneut. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele SX1-Adressen aufgerufen sind. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass bei SX1 ein Kanal entweder 31 Fahrstufen, Richtung, Licht und eine Zusatzfunktion oder acht Zusatzfunktionen enthält. Mit jedem (Sound-)Modell, welches auf diese Zusatzkanäle angewiesen ist, verringert sich die maximal mögliche Anzahl ansprechbarer Modelle. Einfacher gesagt: Es können 100 Modelle ohne Sound, 50 Modelle mit wenig Soundfunktionen und 33 Modelle mit vielen Soundfunktionen innerhalb von den erwähnten knapp 80 ms ihre Refreshdaten erhalten. Mehr als 31 Fahrstufen sind dann nicht möglich.
  • Durch Verwendung des SX2-Formates entfällt die Notwendigkeit der Nutzung der Zusatzkanäle für (Sound-)Modelle, ebenfalls sind dann mehr als 31 Fahrstufen möglich. Jedoch führt jede aufgerufene SX2-Adresse dazu, dass das System einen langsameren Refresh für die SX1-Adressen erhält. Jede SX2-Adresse mit 127 Fahrstufen und 16 Zusatzfunktionen benötigt für die Ausgabe etwa dieselbe Zeit wie zwei SX1-Adressen mit je zwei Zusatzkanälen.
  • Wer großen Wert auf eine hohe Geschwindigkeit legt, sollte daher keinen Multiprotokollbetrieb einsetzen. Durch die abwechselnde Aussendung der unterschiedlichen Formate kommt es zwangsläufig zu einer Verlangsamung aller Formate im Refresh-Zyklus Vergleich zu einer reinen Umgebung des einzelnen Formates. (Dies gilt sowohl für reines SX1, als auch reines SX2 als auch reines DCC.)
  • Ob eine PC-gesteuerte Modellbahnanlage zuverlässig funktioniert, ist von vielen Aspekten abhängig. Das Gleissignal spielt hier eher eine untergeordnete Rolle, da Änderungen an den Fahrdaten, wie bereits beschrieben, von zeitgemäßen Digitalsystemen immer bevorzugt ausgegeben werden.
  • Wichtiger ist der Blick auf die fest installierten Komponenten der Anlage: Bei SX-Systemen existiert schon immer der Vorteil, das Schaltbefehle für Weichen und Signale nicht das Gleissignal „verstopfen“, da diese über den SX-Bus übertragen werden. Ebenfalls gab es schon immer einen Rückkanal im SX-Bus, durch welchen Belegtmeldungen schnell an das Digitalsystem und weiter an den PC gesendet werden konnten.
  • Ein SX-System hat daher einen Geschwindigkeitsvorteil für PC-gesteuerte Modellbahnanlagen im Vergleich zu DCC-Systemen, bei denen die Weichendecoder an das Gleissignal angeschlossen werden. Für moderne Digitalsysteme mit Bussystemen usw. gilt dies jedoch nicht mehr, da auch hier die Schaltbefehle keine Bandbreite am Gleissignal belegen, sofern Weichendecoder mit Busanschluss verwendet werden.
  • Dies führt auch dazu, dass einige Anwender nur ein DCC-Digitalsystem für den Fahrbetrieb nutzen, zum Schalten und Rückmelden jedoch ein separates SX1-System einsetzen. Üblicherweise ist es für heutige Steuerungssoftware kein Problem, mehr als ein Interface zu verwalten.

Besonders den letzten Punkt finde ich äusserst wichtig. Wenn man DCC fahren, mit dem SX-BUS jedoch Melden und Schalten will, dann gibt es 2 Möglichkeiten:

  1. Fahren, Melden und Schalten mit einer SX-Zentrale, z.B. von Peter Stärz (ZS2 oder ZS2+) oder von D&H (FCC). In der Zentrale stellt man „nur DCC“ zum Fahren ein und verwendet den SX1-BUS zum Melden und Schalten.
  2. Fahren mit einer DCC Zentrale, z.B. mit der Z21 von Roco und einem SX-Interface (z.B. Stärz Businterface oder Zentrale von Peter Stärz (ZS2) oder D&H (FCC)). In iTrain (oder einer anderen Software werden einfach beide Systeme eingebunden, was problemlos möglich ist.

Beide Varianten habe ich ausführlich getestet und beide Varianten funktionieren einwandfrei mit iTrain, sofern man Belegtmelder mit galvanischer Entkoppelung (z.B. Stärz BMDCC 3 Z) verwendet.
Mit einer SX-Zentrale wird die WLAN-Maus mittels dem neuen Stärz WLAN-SX Modul via WLAN verbunden (oder in iTrain eingebunden, funktioniert dann aber nur, wenn iTrain gestartet ist.)
Ich verwende erfolgreich die Stärz ZS2+ Zentralen (je 1x H0/H0m Anlagen, 1x Demoanlage, 1x Testkreise H0/H0m zusammen mit iTrain 5.0.xxx und FCC-Protokoll).

18.08.2019 (Veröffentlicht)
26.11.2019 (Diverse kleinere Anpassungen)