Energiespeicher

Energiespeicher für Loks gibt es von mehreren Herstellern (ESU, D&H usw.) oder man bastelt solche selber aus einem Elko, Widerstand und Diode.

Ein Modellbahnfreund hat mich vor Kurzem auf die Energiespeicher von Fichtelbahn mit den Namen Puff-H0 und Puff-N hingewiesen. Ich habe einige bestellt (beide Typen) und auch in verschiedene Loks eingebaut. Die beiden Modelle unterscheiden sich nur in der Anzahl Tantalkondensatoren und auch der Puff-N ist für den Einbau in H0-Loks gut geeignet.

Links Puff-H0 und rechts Puff-N im Grössenvergleich
Rückseite Puff-H0
Rückseite Puff-N
Zusätzliche Tantal-Kondensatoren für die Rückseitenbestückung

Technische Daten Puff-H0:
– max. 18V Gleis-/Fahrspannung
– 1100 μF Kapazität vor bestückt, erweiterbar bis 2300 μF (auf Rückseite)
– mit Softstart, verhindert Boosterabschaltung
– Decoder bleibt Programmierfähig
– 35 mm x 13 mm, kürzbar auf 9 x 13 mm oder 18 x 13 mm
– 2,5 mm Höhe mit 1100 μF, 4,5 mm bei 2300 μF

Technische Daten Puff-N:
– max. 18V Gleis-/Fahrspannung
– 400 μF Kapazität vor bestückt, erweiterbar auf 900 μF
– mit Softstart, verhindert Boosterabschaltung
– Decoder bleibt Programmierfähig
– 23 mm x 9 mm, kürzbar auf 9 x 9 mm
– 2,5 mm Höhe mit 400 μF, 4,5 mm bei 900 μF

Welchen Puff-Energiespeicher man verwenden kann, entscheidet der vorhandene Einbauplatz der vorgesehenen Lok. Bereits mit 300 μF (auf 9×9 mm verkleinert) ist eine Wirksamkeit des Puff-N festzustellen. Wenn genügend Platz vorhanden ist, sollte man jedoch eine grössere Kapazität verwenden.

Einbau Puff-N in eine Trix-Rangierlok SBB Ee3/3, Huckepack auf den Lokdecoder D&H PD12A geklebt. Dank der geringen Bauhöhe des Puff-N hatte dieser Platz in der Höhe, direkt unter der Haube.
Roco DB 204 671-5
Puff-H0 einseitig bestückt unter der rechten Motorhaube, links der Decoder DH DH16A
Piko DB 101 017-2 Graubünden natürliCH
Links der Puff-H0 einseitig bestückt (anstelle des Lautsprechers), rechts der Decoder D&H DH16A

Wie man gut sehen kann, passen die Puffs problemlos in kleine und grössere Loks, dies wegen der kleinen Bauhöhe von nur 2,5 mm. Die Energiespeicher von D&H und ESU sind nicht nur viel teurer, sie benötigen auch wesentlich mehr Platz (Siehe andere Beispiele auf meiner Website).

Beim Einmessen mit iTrain in Fahrstufe 1 kam es zu keinerlei Unterbrüchen. Spätestens beim Anlagenbetrieb mit kleinen Geschwindigkeiten bekommt man die Vorteile dieser Puffer zu spüren. Der Puff-N kostet keine 10 € und belastet den Geldbeutel kaum. Diese Puffer können an alle mir bekannten Decoder angeschlossen werden.

Auch in meiner kleinsten „Lok“, einem Breuer Schienentraktor der SBB, konnte ich einen PuffN huckepack auf den Decoder geklebt, einbauen. Nun ist auch dieser Schienentraktor (LüP 45 mm, Gewicht 55 g) mit 1 km/h problemlos bewegbar!

Das Modell hat ein 2-fach-Spitzenlicht in Fahrrichtung und wurde von Rivarossi gefertigt.

Von D&H gibt es Energiespeicher, die aber wesentlich leistungsfähiger und teurer sind als die vorgestellten Energiespeicher von Fichtelbahn (oder dem Tantalpendant, das ich selber zusammenlöte mit einer Platine von einem Modellbahner in Deutschland). Auch ESU bietet einen Energiespeicher an, ebenfalls teurer und etwas leistungsschwächer als das Modell von D&H, kann aber auch an Decoder ohne SUSI angeschlossen werden.

Hier ein kleines Video von einer 2-achsigen Rangierlok von Brawa, die dank des Energiespeichers 4 Sekunden „Stromlos“ überbrücken kann.
Video
Wichtig zu wissen ist, dass der Energiespeicher auf die Steuerung mit Software keine negativen Auswirkungen hat, d.h. die Loks halten genauso präzise wie ohne Energiespeicher. Im Gegenteil, der Energiespeicher bewirkt, dass eine Lok nicht wegen eines schlechten, kurzzeitigen Kontaktes vorzeitig stehen bleibt.

D & H hat Decoder der DH-Serie im Programm, die eine SUSI-Schnittstelle haben. Für diese Schnittstelle gibt es von D&H den Energiespeicher SP05A. Dieser ermöglicht, dass die Lok bis ca. 4 Sekunden über stromlose Abschnitte fahren kann, d.h. Weichenherze aus Kunststoff, Gleisverschmutzungen, verschmutzte Stromabnahme an den Rädern usw. sind für damit ausgerüstete Loks kein Problem mehr.

Den Energiespeicher gibt es ohne Schrumpfschlauch und Litzen, mit Schrumpfschlauch mit Litzen und mit oder ohne SUSI-Stecker. Ich bevorzuge das Modell ohne Litzen.

In einer Lok mit wenig Platz habe ich nur die Platine auf die Lokplatine geklebt und die beiden Kondensatoren separat in die Lok eingebaut und mit Litzen verbunden. Siehe dazu folgenden Beitrag: Link

Eine ältere MäTrix-Lok mit Scheibenkollektormotor habe ich ebenfalls umgerüstet. Es handelt sich um eine SBB Ae 3/6 II Lok.

Die Platzierung des Decoders und des Energiespeichers entnimmt man am besten den nachfolgenden Bildern.

Seite mit 8-pol. Decoderanschluss
Seite mit angeklebtem Decoder (Tesaband das hält)
Stromspeicher passt genau quer in die Lok. Dazu habe ich die Platine mit dem grossen Umschalter Oberleitung/Gleis verkleinert, sodass diese kleine Platine nur noch die Masse mit dem Gleis (durch die Schraube) verbindet und die braune Litze zur Lokplatine führt. Der andere Pol führt direkt zur Lokplatine.

Die Beleuchtung der Lok besteht aus je 2 Glühlämpchen pro Seite, die ich belassen habe, da bei dieser Lok das Glühlampenlicht besser passt wie das Licht von LEDs.

So ausgerüstet fuhr die Lok über ein etwa 30 cm langes, abgeklebtes Schienenstück, ohne dass man etwas bemerkt hat (Geschwindigkeit). Nur die Beleuchtung wurde auf Sparmodus geschaltet.

Der Energiespeicher hat keinen Einfluss auf die Steuerung mit iTrain, d.h. sie hält genauso präzise an der vorgesehenen Stelle wie ohne Energiespeicher. Hingegen entfällt das Flackern des Lichtes bei leicht verschmutzten Gleisen, auch die Lok kennt kein „Stottern“, was ich sehr schätze.

Von derselben Lok habe ich noch zwei weitere Modelle, die ich aber anders bestückt habe.

Ausgerüstet mit einem ESU Lopi4 M4 und Tantalspeicher (selber gelötet)
Ausgerüstet mit einem D&H DH18A auf D&H Next18 Sockel klein.
Hier dasselbe, aber etwas grösser

Auch diese beiden Loks SBB Ae 3/6II laufen mit den beiden Tantal-Energiespeichern und unterschiedlichen Decodern aushezeichnet.

Ich benutze auch noch Energiespeicher mit Tantalkondensatoren, die ich selber zusammenlöte, auf Platinen eines Modellbahners aus Deutschland (siehe auch die beiden letzten Beispiele oben).

Hier ein weiteres Beispiel, ebenfalls von Trix:

Bei diesem Modell musste ich wegen Platzmangel 2 Tantals mit Litzen an die Energiespeicherplatine anschliessen. Der D&H Decoder DH16A hatte gerade neben dem Enegiespeicher noch Platz in der Aussparung über dem Motor. Auf den Decoder habe ich die beiden Tantals geklebt. Unter der Energiespeicherplatine befinden sich noch 3 weitere Tantals, insgesamt also 5 Stk. Diese Schaltung genügt gegen Lichtflackern und kleinere Verschmutzungen. So ausgerüstete Lok fahren auch Problemlos mit Fahrstufe 1 über Weichenstrassen.

Nun noch ein Beispiel mit einer „Extremlok“, was die Fahreigenschaften betrifft. Die Rivarossi SBB Ae 3-5 bekommt ihren „Saft“ von genau 3 Achsen. Die beiden Vorlaufachsen und die mittlere Achse mit grossem Rad liefern den Digitalstrom in die Lok. Ohne Massnahmen ein Modell, das gerade für die Vitrine taugt, aber ohne Energiespeicher auf der Anlage nichts zu suchen hat. Der Platz in diesem Modell ist extrem knapp und Decoder und Energiespeicherplatine haben nur im Bereich des Dachaufbaus Platz, weil da die Luft gegen das Dach etwas grösser ist.

Bei diesem Modell musste ich die beiden Kondensatoren vom D&H Energiespeicher SP05A ablöten und glücklicherweise fanden sie sehr knapp Platz auf einer Seite zwischen Gewichtsblock und Lokführerstand Rückwand. So habe ich das hinbekommen, in dieser Lok den guten Energiespeicher von D&H einzubauen, der Saft für ca. 4 Sekunden liefert.

Die beiden Kondensatoren und mittig dazwischen das Schneckenrad für den Lokantrieb.

Wenn diese Aussparung im Lokkörper nicht vorhanden gewesen wäre (auf der anderen Seite fehlt diese Vertiefung), hätte ich diesen Energiespeicher hier nicht einbauen können. Rivarossi hat vermutlich „hellgesehen“, dass in dieser Lok einmal ein D&H Energiespeicher eingebaut werden soll und hat den Platz für die Kondensatoren reserviert.

Diese Lok, die sonst nur stotternd fuhr, fährt nun von Fahrstufe 1 – 28 wunderbar über Weichenstrassen usw., dank dem D&H Energiespeicher an der SUSI-Schnittstelle des Lodecoders D&H DH16A. Ein Beweis dafür ist auch die Geschwindigkeits-Messkurve aus iTrain! Schöner gehts nicht mehr.

Auch ESU bietet einen Energiespeicher für seine Decoder an, den ich auch schon verbaut habe. Für ESU-Decoder sind aber auch Energiespeicher aus einem normalen ELKO, einem Widerstand und einer Diode geeignet, was natürlich auch für D&H Decoder gilt. Letzteres ist die günstigste Lösung, braucht aber auch am meisten Platz.

Wenn man den Tantal-Energiespeicher mit D&H Decodern verwendet (DH und PD Serie) muss man unbedingt folgende CVs ändern:
CV 137: Wert 2 anstelle 0 (=Energiesparmodus aus)

Bei DH-Decodern ist für den Betrieb mit dem Energiespeicher SP05A an der SUSI-Schnittstelle die CV 137 unbedingt auf den Wert 18 einzustellen (=Erweiterte Funktionszuordnungen Ein + Energiesparmodus aus), wenn man mit CV 133 die Funktionszuordnung Verzögerung Ein/Aus auf F4 legen will (wie bei ESU). Allerdings muss man dann CV 132 (Rangiergang) den Wert von 4 auf 0 (oder einer anderen F-Taste zuordnen) stellen. Im weiteren ist CV 38 von 128 auf 0 zu stellen, damit auch da der Rangiergang deaktiviert wird. Grundsätzlich stelle ich alle nicht benötigten F-Tasten F1 – F28 mit den entsprechenden CVs auf 0 (siehe D&H Decoderhandbuch).

Nachfolgend noch die perfekten Einmesskurven von 3 Loks mit D&H Decodern, die ich in den letzten 2 Tagen mit Energiespeichern versehen habe:

Trix Lok
Trix Lok
Piko Lok

Solche Kurven machen dann im Betrieb auch Spass. Die Pikolok hat mehrere Funktionen, wie Führerstandlicht, Motorraumbeleuchtung, usw., weshalb die verstärkten AUX-Ausgänge AUX1-AUX4 des DH22A (Plux22 Schnittstelle) nicht reichen. Deshalb habe ich noch einen Funktionsdecoder FH05B mit 2 verstärkten und 4 unverstärkten Ausgängen eingebaut. Ein Ausgang bedient AUX7, an welchen die Innenbeleuchtung angeschlossen ist. Den Decoder habe ich auf dieselbe Adresse wie der Lokdecoder gelegt. Wichtig ist, dass man nur den zu programmierenden Decoder ans Gleis anschliesst. Bei einer anderen Adresse muss man nicht umlöten. Aber einmal optimal eingestellt programmiere ich nichts mehr an meinen Loks.

Ich habe in den letzten Tagen festgestellt (einmal mehr), dass die D&H Decoder einfach die besseren Fahreigenschaften haben als ESU Decoder. Auch ZIMO und die neuen Piko-Decoder sind besser als die ESU. Nur in der Verpackung sind die ESUs scheinbar „besser“, aber die Verpackung der ESU-Decoder ist Abfallmässig ein umweltpolitischer Sündenfall, (zu)viel Plastik, Volumen und Karton für einen Lokdecoder. D&H sendet mir die Decoder in einem einfachen Plastikbeutelchen, das kaum Platz beansprucht, und nicht jeder Decoder ist einzeln verpackt. 10 Stk. haben genauso gut im Beutelchen Platz wie 2 oder 50.

Nun noch ein paar weitere Beispiele von Energiespeicherplatzierungen.

BLS 252 von Roco
Hier haben ein D&H Decoder und ein Puff N Energiespeicher nebeneinander Platz gefunden. Das Problem bei Energiespeichern ist immer der Platz in der Lok, d.h. dass Gehäuse muss ohne Kraftanstrengung passen und einrasten.
Slowakische Lok (Taucherbrille) von Roco
Hier gibt es keine Platzprobleme
SBB Cargo (Roco)
PuffN passt einwandfrei (einseitig bestückt)
SBB Ae 8/14 „Landi-Lok“, 2-teilig mit 2 Motoren
Decoder und ESU-Energiespeicher im rechten Lokteil
Unten Lopi 4 Decoder und darauf der ESU Energiespeicher

Inzwischen konnte ich einige Erfahrungen mit Energiespeichern und verschiedenen Decodern sammeln.
Die Fichtelbahn-Energiespeicher können mit ESU-Decodern ein kleines Problem haben, wenn man zum Programmieren mit eingebautem Energiespeicher PuffN oder PuffH0 den ESU-Lokprogrammer verwendet (was bei ESU-Decodern eigentlich sinnvoll ist). Beim Beschreiben des Decoders kann es eine Fehlermeldung geben und wenn man beim Fahrpult auf „ON“ klickt, schaltet das Fahrpult wieder aus (wie bei einem Kurzschluss). Abhilfe schafft man da, wenn man wie im ESU-Decoderhandbuch gezeigt, eine Diode 1N4001 und ein Widerstand 100 Ohm in die +-Leitung einfügt, so wie es man es auch bei normalen Elkos macht. Ich habe dazu 2 SMD-Bauteile verwendet, die wenig Platz benötigen und schnell eingelötet sind. Fichtelbahn habe ich mittels eines Mail informiert, damit diesbezüglich etwas an der Schaltung verbessert wird. Der Fichtelbahn-Energiespeicher funktioniert jedoch auch mit Diode & Widerstand ausgezeichnet, besonders das PuffN ist mein Favorit, da er sehr wenig Platz beansprucht. In der Anleitung zu den Puff gibt es Anschlussbeispiele mit D&H und ZIMO Decodern. ESU-Decoder sind nicht aufgeführt.

Zwischen ESU-Decoder und PuffH0 (1100 uF) sind die Diode (und 100 Ohm Widerstand) zu erkennen.

Mit den D&H Decodern und D&H Programmer funktionieren die PuffN und PuffH0 absolut korrekt, ohne Zusatzbauteile.

Bei dieser Kombination ESU-Decoder und Tantal-Energiespeicher auf Basis einer selber bestückten Platine (500 uF) ist kein Diode-Widerstand-Einbau nötig. Die Schaltelektronik ist da auch einiges aufwendiger gestaltet. Für den vorgesehenen Zweck sind 500 uF völlig ausreichend.

28.12.2020 Erstellungsdatum)
18.05.2021 Ergänzungen um weitere Modelle
22.05.2021 Ergänzung kleines Problem ESU-Programmer und Puff-Energiespeicher