Modellbahn-Trafos oder Laptop-Schaltnetzteile ?

Früher war es ganz normal und es gab auch keine Alternativen zu den schweren, klobigen Trafos, die meistens auch von den Modelleisenbahnherstellern verkauft wurden. Meist hatten sie eine Spannung von 16V AC und relativ kleiner Leistung. Das war zu Analogzeiten absolut genügend, da meist nur ein Zug gleichzeitig zu steuern war und dazu noch ein paar Elektroweichen mit Schaltmagnet kamen, die nie miteinander zu schalten hatten!

Solche Modelleisenbahntrafos waren sehr einfach gestrickt, d.h. ein Trafo (Spule) transformierte die Spannung von 230V AC auf 16 V AC und als Kurschlusssicherung diente ein Bimetallplättchen, das bei Überlast oder Kurschluss heiss wurde und sich dadurch verbog, was die Stromzufuhr abbrach. Manchmal blieben sie jedoch verbogen und der Trafo konnte entsorgt werden. Im schlimmsten Fall unterbrachen sie die Stromzufuhr nicht und irgendwo auf der Anlage begann es zu rauchen, im schlimmsten Fall sogar zu brennen. Auch der Trafo selber konnte zum Brandherd werden.

Ein weiterer Nachteil von Trafos ist, dass sie mit zunehmender Belastung nicht nur wärmer sondern auch „weicher“ werden. Das heisst, die Leistung bricht zusammen und daran angeschlossene Geräte versagen kläglich (z.B. Magnetantriebe) oder spielen verrückt (z.B. Servos).

Heute werden digitale Fahrgeräte und Komponenten verwendet, die genau so wie ein Laptop, Harddisk, NAS-Server, usw. auf eine saubere, starke und stabile Gleichstromversorgung angewiesen sind. Darum verwenden moderne Modelleisenbahnhersteller wie Märklin, Roco usw. in ihren Anfangspackungen keine Trafos im herkömmlichen Stil sondern Schaltnetzteile, je nach Leistung als Steckernetzteil oder als Netzteil mit separatem 230V Anschlusskabel, genau so wie es bei der Unterhaltungselektronik, Computertechnik usw. heute selbstverständlich ist. Diese Schaltnetzteile brechen auch bei starker Belastung nicht ein und liefern immer eine stabilisierte Spannung von z.B. 19V Gleichspannung. Auch haben diese Netzteile eine elektronische Kurzschlusssicherung, die sofort anspricht und dadurch Schäden vermeiden kann. Die Qualität der Kurzschlusssicherung hängt natürlich auch vom Netzteilhersteller ab. Markengeräte sind meistens besser ausgerüstet, kosten aber auch mehr.
Leider gibt es aber immer noch Modellbahnartikelhersteller, die ihre Komponenten nur für Wechselstrom anbieten. Solche Hersteller sollte man jedoch meiden, da nicht mehr Up to Date.

Heute verwende ich für die separaten Schaltstromanschlüsse an den Weichen- und Servodecodern  nur noch Schaltnetzteile, die eine Leistung 4,5A bei 19V haben und darum als 90W Schaltnetzteil bezeichnet wird.

Anstelle von 3 Conrad-Trafos mit 18 V AC bzw. 16V AC werden seit heute (21.11.2012) sämtliche Weichen nun durch 90W-Schaltnetzteile mit 19V DC versorgt. Fazit: Es gibt keinerlei Betriebsstörungen mehr, wie z.B. unkontrolliertes Schalten von Servos (und Weichen) beim Einschalten der Anlage usw.

Längerfristig werde ich sämtliche Trafos für die Zentralen und Booster ebenfalls durch Schaltnetzteile ersetzen, weil sich diese Netzteile bereits seit langer Zeit zusammen mit meinen mobilen Zentralen und auf der H0m Demo-Anlage bestens bewähren. Ich stelle fest, dass ein 100% sicherer, digitaler Betrieb mit Digitalzentralen, Softwaresteuerungen usw. nur mit Schaltnetzteilen möglich ist, weil nur damit stabile Stromversorgungen möglich sind, die bei unterschiedlicher Belastung nicht versagen. Gut, dass das nun auch die Modelleisenbahnhersteller endlich bemerkt haben.

Auf dem Bild der Vergleich zwischen einem Conrad-Trafo (baugleich mit Viessmann, Uhlenbrock und anderen MOBA-Trafos) und 2 Laptop-Schaltnetzteile, die sich mit zwei Kabelbinder sehr gut befestigen lassen. Gut sieht man auch die Ferritkerne, die Störungen in der Stromversorgung eliminieren. Auch nach stundenlangem Betrieb bleiben die Schaltnetzteile kalt, während die Trafos doch warm werden und auch Stromfresser sind, wenn sie nicht durch Verbraucher belastet werden, was bei Weichenantrieben und Servos ja meistens der Fall ist (keine Dauerbelastung).

Hier die noch verbliebenen 3 Trafos für die beiden Digitalzentralen und einen von aktuell 4 Boostern (wurden zwischenzeitlich ebenfalls durch Laptopnetzteile bzw. das Netzteil von D&H ersetzt!). 3 weitere Trafos befinden sich direkt bei den Boostern und ein weiteres Schaltnetzteil versorgt alle Weichen (Servos und Magnetantriebe) des Schattenbahnhofes, ebenfalls dezentral beim Schattenbahnhof im anderen Raumteil montiert.

Fazit: Es gibt heute keinen Grund mehr, auf Trafos zurückzugreifen, die zu Analogzeiten ihre Berechtigung hatten (ausser man verwendet antiquierte Digitalkomponenten, die nur Anschluss an AC zulassen). Moderne Elektroniken wie sie digitale Steuerungen zur Verfügung stellen benötigen auch moderne Netzteile, die diesen Ansprüchen genügen. Es kommt ja auch keinem modernen Autofahrer in den Sinn, 2-Takt Treibstoff zu tanken, nur weil es früher bei bestimmten Automarken (DKW usw.) nötig war. Das moderne Auto würde mit 2-Taktbenzin nicht weit fahren, genau so, wie die digitale MOBA mit alten Trafos störungsanfälliger ist.

Selbstverständlich müssen die Schaltnetzteile die notwendigen Zulassungen der Länder haben, aber Geräte aus dem Fachhandel haben die Zulassung immer. Auch sind die Anleitungen der Digitalanbieter genau zu beachten. Steht dort z.B. beim Anschluss 12-18V AC und 16-24V DC zulässig, steht den 19V DC Schaltnetzteilen nichts im Weg. Steht jedoch 12-18V DC, hat ein 20V DC Netzteil dort nichts zu suchen.

Wer Schaltnetzteile verwendet, ist selber dafür verantwortlich, dass die Anschluss- und Leistungswerte mit den anzuschliessenden Geräten übereinstimmen (gilt natürlich für alle Arten von Trafos/Netzteilen).
Stimmen diese Werte nicht überein, kann niemand die Verantwortung übernehmen, weder Hersteller noch Lieferant der Produkte. Bei falscher Verwendung kann, wie immer in solchen Fällen, erheblicher Schaden entstehen, der im Schadensfall auch zu Problemen mit den Versicherungen führen kann. Wenn man diese wenigen Parameter beachtet, wird man jedoch sehr viel Freude an einer einwandfrei funktionierenden Modelleisenbahn haben.

Für nur 27.50 € bietet D&H München ein ideales Laptop-Netzteil an. Es hat folgende technischen Werte:
Eingang: 110-230V AC, 50/60Hz
Ausgang: 12,15,16,18,19V DC mit 5A Leitung
20,22,24 V DC mit 4.17A Leistung
USB Ausgang mit 5V, 1A
Die Leistung lässt sich mit einem Schiebeschalter leicht einstellen und mit einer LED auf dem Gehäuseoberteil angezeigt.

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Symbolbild !

Erstellt:           21.11.2012
Änderungen:  29.11.2015